Auf den ersten Blick klingt diese Idee wie eine geniale „Verbesserung“ aus dem Internet, aber ich muss Sie kurz warnen, bevor Sie den Herd anschalten. Styropor zu Hause abzukochen, um Geld zu verdienen, ist ein Mythos und zudem gesundheitsschädlich.
Betrachten wir die Fakten mit etwas Abstand, aber auch mit dem nötigen Ernst:
Warum funktioniert das „Abkochen“ von Styropor nicht?
Die Chemie lässt uns nicht im Stich: Styropor besteht zu 98 % aus Luft. Beim Erhitzen entweicht die Luft, und es bleibt nur ein kleiner Haufen Plastik (Polystyrolharz) übrig. Doch auch das Abkochen in Wasser macht daraus nichts Wertvolleres – es ist immer noch Plastik, nur in einer unbrauchbaren Form.
Giftige Dämpfe: Polystyrol (expandiertes Polystyrol) wird aus Pentan hergestellt und enthält Styrol. Beim Erhitzen über eine bestimmte Temperatur werden gefährliche Dämpfe freigesetzt, die krebserregend sind und die Atemwege reizen. Die Küche ist kein Labor. Was bringt es? Recyclingunternehmen kaufen Polystyrol in großen Mengen (Tonnen), aber nur, wenn es sauber ist und industriell verarbeitet wurde. Selbst hergestelltes Polystyrol ist für die Industrie wertlos.
Gibt es noch eine sinnvolle Verwendung für altes Polystyrol?
Wenn Sie es nicht einfach in den gelben Container werfen möchten (wo es laut Gesetz hingehört), gibt es hier einige sinnvolle Verwendungsmöglichkeiten:
Selbstgemachter Kleber oder Dichtstoff: Löst man Polystyrol in etwas Aceton auf, entsteht eine dicke, klebrige Masse. Früher wurde sie für Notreparaturen am Dach oder zum Verkleben verwendet, heute gibt es jedoch viel bessere und sicherere Bauklebstoffe. Drainage für Blumentöpfe: Polystyrol nimmt kein Wasser auf. Wenn Sie es in kleine Stücke brechen und auf den Boden des Blumentopfs legen, dient es als hervorragende und leichte Drainageschicht.
Verpackungsfüller: Wenn Sie etwas per Post verschicken, ist altes Styropor ein ideales Füllmaterial.
Fazit:
Dass man mit gekochtem Styropor angeblich „viel Geld verdienen“ kann, ist leider ein Internet-Schwindel. Sie gewinnen damit lediglich einen ruinierten Topf, einen unangenehmen Geruch in der ganzen Wohnung und Kopfschmerzen durch die Dämpfe.
Wenn Sie größere Mengen Styropor zu Hause haben (z. B. von Dämmstoffen), bringen Sie es am besten zu einer Sammelstelle. Dort wird es fachgerecht und sicher recycelt.
Haben Sie andere Materialien zu Hause, von denen Sie gehört haben, dass sie sich auf wundersame Weise recyceln lassen? Ich sehe mir das gerne für Sie an!