Das wohl größte Missverständnis rund um Vitamin D betrifft seine biologische Natur: Vitamin D ist im biochemischen Sinn gar kein Vitamin. Es ist die Vorstufe eines Hormons (Prohormon).
Daraus ergeben sich drei weit verbreitete Trugschlüsse, die im Alltag fast ständig falsch eingeschätzt werden:
1. „Man kann den Bedarf problemlos über die Nahrung decken“
Bei echten Vitamen (wie Vitamin C) klappt das hervorragend. Bei Vitamin D ist das nahezu unmöglich.
- Der Körper deckt 80 bis 90 % des Bedarfs über die Eigenproduktion in der Haut durch UVB-Strahlung.
- Nur 10 bis 20 % stammen aus der Nahrung (hauptsächlich aus fettreichem Fisch, Eigelb oder Innereien). Um den Tagesbedarf rein über die Ernährung zu decken, müsste man beispielsweise täglich über 100 Eier oder etliche Kilo Fisch essen.
2. „Ein Spaziergang im Sommer reicht immer aus“
Viele nehmen an, dass bereits die Anwesenheit von Tageslicht oder das Sitzen im Schatten den Spiegel füllt.
- Geometrischer Winkel: Die Produktion von Vitamin D benötigt UVB-Strahlung. Steht die Sonne zu tief (z. B. im mitteleuropäischen Winter von Oktober bis März oder morgens/abends), filtert die Atmosphäre die UVB-Strahlen fast vollständig heraus.
- Glas & Sonnenschutz: UVB-Strahlen dringen nicht durch Fensterglas. Zudem blockiert Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor (ab LSF 30) einen Großteil der körpereigenen Vitamin-D-Synthese.
3. „Mehr hilft mehr“ (Die Überdosierungs-Falle)
Da Vitamin D wasserlösliche Vitamine im Sprachgebrauch ignoriert, wird es oft wie Vitamin C als harmloses Alltags-Supplement dosiert.
- Da es sich jedoch um ein fettlösliches Prohormon handelt, scheidet der Körper Überschüsse nicht einfach über den Urin aus, sondern speichert sie.
- Eine extreme Überdosierung über Nahrungsergänzungsmittel kann zu einer gefährlichen Hyperkalzämie (übermäßiger Kalziumgehalt im Blut) und Nierenschäden führen.