Wirf faule Tomaten nicht weg. Je fauler sie sind, desto wertvoller sind sie.

Wirf faule Tomaten nicht weg. Je fauler sie sind, desto wertvoller sind sie.

Das ist ein großartiger Tipp für jeden Gärtner! Auch wenn “faul” vielleicht nicht das richtige Wort ist, so ist es doch richtig, dass überreife oder sogar leicht schimmelige Tomaten nicht immer für den Mülleimer bestimmt sind. Stattdessen sind sie eine fantastische Quelle für Samen und können einen unglaublich wertvollen Flüssigdünger für Ihre Pflanzen liefern.


Was macht überreife Tomaten so wertvoll?

  1. Samenextraktion und Keimfähigkeit: Überreife Tomaten, deren Fruchtfleisch bereits stark zersetzt ist, haben einen entscheidenden Vorteil für die Samengewinnung. Der Fermentationsprozess, der in der überreifen Tomate abläuft, hilft, eine gelartige Schicht um die Samen herum zu entfernen. Diese Schicht (manchmal als “Keimhemmstoff” bezeichnet) kann die Keimfähigkeit beeinträchtigen. Nach der Fermentation sind die Samen sauberer und oft keimfreudiger.
  2. Stickstoffreicher Flüssigdünger: Wenn Tomaten verrotten, geben sie eine Fülle von Nährstoffen frei, insbesondere Stickstoff, der für das Blattwachstum unerlässlich ist, sowie Kalium und andere Mikronährstoffe. Diese Nährstoffe werden im Wasser gelöst und sind somit für Pflanzen leicht verfügbar.

So verwandelst du “faule” Tomaten in wertvolle Ressourcen:

1. Samengewinnung aus überreifen/faulen Tomaten (Fermentationsmethode):

Dies ist die beste Methode, um Tomatensamen zu gewinnen, die im nächsten Jahr gut keimen.

Was du brauchst:

  • Überreife Tomaten
  • Glas oder Behälter
  • Wasser
  • Sieb
  • Küchentuch oder Kaffeefilter
  • Teller oder flache Oberfläche zum Trocknen

So geht’s:

  1. Tomaten zerkleinern: Schneide die überreifen Tomaten auf und drücke das Innere mit den Samen in ein Glas. Du kannst die Tomaten auch grob zerquetschen.
  2. Wasser hinzufügen: Fülle das Glas etwa zur Hälfte mit Wasser.
  3. Fermentieren lassen: Stelle das Glas an einen warmen Ort (ca. 20-25°C), aber nicht in direktes Sonnenlicht. Rühre die Mischung einmal täglich um. Nach 2-5 Tagen (je nach Temperatur) bildet sich eine Schimmelschicht auf der Oberfläche und die Samen sinken auf den Boden. Dies ist ein Zeichen, dass die Fermentation stattgefunden hat und die Keimhemmer entfernt wurden.
  4. Samen trennen: Entferne die Schimmelschicht und das restliche Fruchtfleisch. Gieße das Wasser vorsichtig ab, bis nur noch die sauberen Samen am Boden des Glases übrig bleiben. Fülle erneut Wasser nach und wiederhole das Abgießen, bis die Samen völlig sauber sind.
  5. Trocknen: Breiten die sauberen Samen auf einem Teller oder einem mit Backpapier ausgelegten Backblech aus. Achte darauf, dass sie nicht übereinander liegen. Lasse sie an einem gut belüfteten Ort für mehrere Tage vollständig trocknen. Rühre sie täglich um, damit sie nicht zusammenkleben.
  6. Lagern: Wenn die Samen vollständig trocken sind (sie brechen leicht, wenn man sie biegt), bewahre sie in einem luftdichten Behälter an einem kühlen, dunklen Ort auf. Sie sind dann mehrere Jahre haltbar.

2. Flüssigdünger aus Tomatenresten (oder anderen verrottenden Obst-/Gemüseresten):

Diese Methode ist eine Form des “Kompost-Tees” und nutzt die Nährstoffe aus verrottendem Material.

Was du brauchst:

  • Überreife/faule Tomaten (oder andere Obst-/Gemüseabfälle wie Bananenschalen, Kaffeesatz, Eierschalen)
  • Großer Eimer mit Deckel
  • Wasser (Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser ist ideal)
  • Sieb oder Tuch zum Abseihen
  • Gießkanne

So geht’s:

  1. Sammeln: Sammle deine überreifen Tomaten und andere geeignete Obst- und Gemüsereste in einem Eimer.
  2. Mit Wasser auffüllen: Fülle den Eimer mit Wasser auf, bis die Reste bedeckt sind. Lasse oben etwas Platz, da es zu Geruchsbildung und Gasentwicklung kommen kann.
  3. Fermentieren: Lasse die Mischung 1-3 Wochen an einem warmen, sonnigen Ort stehen. Rühre sie alle paar Tage um. Es wird ein starker, erdiger Geruch entstehen.
  4. Abseihen: Wenn der Prozess beendet ist (die festen Bestandteile haben sich zersetzt und der Geruch ist nicht mehr ganz so intensiv), seihe die Flüssigkeit ab. Die festen Reste kannst du kompostieren.
  5. Verdünnen und anwenden: Der entstandene Flüssigdünger ist sehr konzentriert. Verdünne ihn im Verhältnis 1:10 (1 Teil Dünger zu 10 Teilen Wasser), bevor du deine Pflanzen damit gießt. Er ist besonders gut für Pflanzen im Wachstumsstadium, die viel Stickstoff benötigen.

Wichtiger Hinweis: Diese Methode ist für den Garten gedacht und weniger für Zimmerpflanzen, da der Geruch sehr intensiv sein kann. Außerdem ist es wichtig, den Dünger immer zu verdünnen, um die Pflanzen nicht zu überdüngen oder zu “verbrennen”.

Indem du überreife oder “faule” Tomaten auf diese Weise nutzt, verwandelst du potenziellen Abfall in wertvolle Ressourcen für deinen Garten. Das ist Nachhaltigkeit pur!


Hast du schon einmal Tomatensamen selbst gewonnen oder Flüssigdünger aus Küchenabfällen hergestellt?

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