Mein Johannisbeerstrauch war einst ein wahrer Schatz im Garten – über und über behangen mit rubinroten Beeren. Doch dieses Jahr? Keine einzige Frucht. Viele würden denken: „Der Strauch ist alt – weg damit.“ Aber nein! Das ist nicht das Ende. Es ist einfach nur Zeit, ihm neue Kraft zu schenken. Denn wer seine Johannisbeeren liebt, weiß: Die eigentliche Arbeit beginnt nach der Ernte.
🌿 Ernte vorbei – jetzt beginnt die Pflege
Im Juli endet für die meisten Johannisbeersorten die Erntesaison. Doch anstatt den Strauch sich selbst zu überlassen, ist jetzt der Moment gekommen, in dem der Grundstein für die nächste Ernte gelegt wird.
1. Entlastung durch Schnitt
Nach der Ernte entferne ich ohne Zögern alles, was krank, alt oder abgestorben ist. Besonders alte Triebe (ab drei Jahren) werden direkt an der Basis abgeschnitten. Zu dicht wachsende Äste stören die Luftzirkulation – auch sie müssen weg. Auf diese Weise bleibt der Strauch vital und lichtdurchflutet. Pro Strauch lasse ich etwa 15 bis 18 kräftige Triebe stehen – das ist optimal.
Bei roten und weißen Johannisbeeren bleibt das gesunde Laub meist unangetastet. Bei der schwarzen Johannisbeere hingegen schneide ich befallene oder vergilbte Blätter gezielt heraus, um Krankheiten vorzubeugen.
🛡️ Schutz vor Krankheiten und Schädlingen
Direkt nach dem Rückschnitt folgt der Pflanzenschutz. Ich verwende gern eine 1%ige Bordeauxbrühe als Basis. Bei Bedarf ergänze ich mit Fungiziden wie „Topsin M“ oder „Fundazol“, vor allem wenn es im Vorjahr Krankheitsanzeichen gab.
Auch Insektizide gehören dazu – denn wer früh schützt, muss im nächsten Sommer nicht bekämpfen. Hier eine kleine Übersicht:
- Spinnmilbe, Gallmilbe: Fitoverm (20 ml auf 10 l Wasser) oder KlischoVit
- Glasflügler: Lepidocid, Karbofos oder ebenfalls Fitoverm
- Gallmücke: Kinmiks, Aliot oder erneut Fitoverm
Bei starkem Befall ist eine zweite Behandlung zwei Wochen später ratsam.
🌱 Der richtige Schnitt für gesunde Fruchttriebe
Damit die Pflanze wieder in Schwung kommt, wähle ich die stärksten 3–4 neuen Triebe aus und lasse sie stehen. Die älteren werden – wie gesagt – entfernt. Bei zwei- oder dreijährigen Ästen kürze ich trockene Teile bis zum nächsten Verzweigungspunkt. Auch ein leichter Formschnitt ist erlaubt: Triebe, die zu lang werden, kürze ich um etwa ein Drittel.
Wichtig zu wissen:
- Schwarze Johannisbeere trägt auch an diesjährigen Trieben.
- Rote und weiße Sorten bringen erst im Folgejahr Beeren – Geduld lohnt sich!
🌾 Futter für die Zukunft: gezielte Düngung
Nach dem Schnitt ist der Strauch hungrig. Und was er jetzt bekommt, zahlt sich später in vollen Rispen aus. Ich achte auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Mineral- und organischem Dünger:
- Erst kommen die Mineralien:
z. B. 2 EL Superphosphat + 2 EL Kaliumnitrat in 10 l Wasser
oder Diammonphosphat mit etwas Holzasche - Danach folgt Organik:
Kompost, gut verrotteter Stallmist, Torf, Wurmhumus oder verdünnter Hühnermist
Wenn der Ertrag im laufenden Jahr besonders üppig war, gebe ich zusätzlich etwas Stickstoff, um die Pflanze nicht zu erschöpfen.
🌿 Immunbooster nicht vergessen
Ein oft unterschätzter Helfer: Pflanzenstärkungsmittel (z. B. Algenextrakt oder natürliche Immunstimulanzien). Sie stärken die Abwehrkräfte der Pflanze – besonders nach dem Rückschnitt – und helfen ihr, sich auf den nächsten Frühling vorzubereiten.
✅ Fazit
Ein Johannisbeerstrauch braucht nicht viel – nur zur richtigen Zeit das Richtige. Wer nach der Ernte schneidet, düngt, schützt und stärkt, kann sich fast sicher sein: Im nächsten Sommer trägt er wieder reichlich Früchte. Und der Garten lebt wieder auf – Rispe für Rispe.