Die häufigste und auffälligste Bewegung, die von Palliativpflegekräften oft im Zusammenhang mit dem nahen Tod beobachtet wird, ist das sogenannte “Nesteln” (Picking/Plucking) oder “Greifen”.
Dabei handelt es sich um eine Form von motorischer Unruhe oder Delir, die sich wie folgt äußert:
- Zupfen oder Nesteln an der Bettwäsche: Die sterbende Person greift scheinbar ziellos nach der Decke, dem Laken oder den Kleidern und zieht oder zupft daran.
- Greifbewegungen in die Luft: Manchmal führen die Hände auch Greif- oder Suchbewegungen in der Luft aus, als ob sie etwas festhalten oder suchen würden.
- Unruhiges Bewegen der Hände: Die Hände sind ständig in Bewegung, manchmal auch in der Nähe des Mundes oder Gesichts.
Hintergrund dieser Bewegung:
Diese Unruhe ist oft ein Anzeichen dafür, dass der Körper in der letzten Lebensphase “herunterfährt” und das Gehirn nicht mehr optimal versorgt wird. Mögliche Ursachen sind:
- Delir/Verwirrtheit: Veränderungen im Stoffwechsel und in der Durchblutung des Gehirns (z. B. durch Sauerstoffmangel oder Ansammlung von Stoffwechselprodukten) führen zu Verwirrtheit und Unruhe.
- Angst oder innere Unruhe: Die Person spürt möglicherweise intuitiv, dass etwas geschieht, was sich als Angst oder Unruhe manifestiert, die sie durch diese Bewegung auszudrücken versucht.
- Wahrnehmungsstörungen: Manchmal wird das Nesteln auch als Versuch interpretiert, etwas zu greifen oder zu ordnen, das in der veränderten Wahrnehmung der Person existiert.
Reaktion in der Palliativpflege:
Pflegekräfte im Palliativbereich gehen bei solchen Anzeichen behutsam vor:
- Sie versuchen in erster Linie, die Unruhe zu lindern (z. B. durch Beruhigung, ruhige Präsenz, sanfte Berührung oder, falls nötig, mit Medikamenten).
- Sie sorgen für eine ruhige und entspannte Umgebung, da Geräusche und Hektik die Unruhe verstärken können.
- Sie legen Wert auf die Begleitung und das Wohlbefinden des Patienten und seiner Angehörigen, da das Nesteln ein Zeichen für das Fortschreiten des Sterbeprozesses ist.