Dies ist ein klassisches Beispiel für Populärpsychologie, die zwar in den sozialen Medien gut funktioniert, aber nichts mit echter Persönlichkeitsdiagnostik zu tun hat.
Solche Rätsel (oft mit Pfeifen und Gläsern) testen eher Ihre Intuition und Wahrnehmung als die Tiefe Ihres Egos. Die Idee, dass die Wahl des Glases Narzissmus offenbart, ist ein Mythos – ähnlich wie die Behauptung, man könne die Treue des Partners an der Farbe des Lippenstifts erkennen.
Warum funktionieren diese Tests so gut?
Der Barnum-Effekt: Die Ergebnisse sind oft so allgemein formuliert, dass jeder etwas darin wiederfindet („Sie sind ehrgeizig, aber manchmal zweifeln Sie“).
Schockierender Aufhänger: Die Verknüpfung eines einfachen Logikrätsels mit einer ernsten Diagnose wie Narzissmus erzeugt bei den Menschen das unmittelbare Bedürfnis, sich zu „reinigen“ oder sich selbst zu testen.
Visuelle Reize: Das Gehirn liebt es, Rätsel zu lösen, und mit einer Prise Pseudo-Charakteranalyse ist das ein Erfolgsrezept.
Und die Logik?
Bei solchen Aufgaben geht es meist darum, ein verstopftes Rohr zu finden oder zu erkennen, dass eine Flüssigkeit erst ab einem bestimmten Füllstand überläuft (Pascalsches Gesetz). Wenn Sie also „das erste Glas“ suchen, achten Sie auf das mit dem kürzesten, freiesten Weg und dem niedrigsten Einlauf.
Fazit: Wenn Sie es nicht erraten können, sind Sie kein Narzisst, sondern haben vielleicht nur die kleine Linie im Rohrdiagramm übersehen. Echter Narzissmus wird von einem Psychologen anhand komplexer Tests und Beobachtungen diagnostiziert, nicht anhand eines Bildes von Saft.
Welches Glas hat sich also laut Ihrer Abbildung (oder Beschreibung) zuerst gefüllt? Gibt es dafür eine logische Erklärung oder ist es nur ein Trick?