Die Frage, ob Wasser ein Verfallsdatum hat, ist interessant und führt oft zu Verwirrung, da man auf abgefüllten Wasserflaschen ein Datum findet. Die kurze Antwort ist: Reines Wasser selbst verdirbt nicht im eigentlichen Sinne, da es keine organischen Substanzen wie Zucker oder Proteine enthält, die verrotten, schimmeln oder vergären könnten. Das Datum auf den Flaschen ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und kein Verfallsdatum.
Warum haben Wasserflaschen ein Mindesthaltbarkeitsdatum?
Das Vorhandensein eines Mindesthaltbarkeitsdatums auf Wasserflaschen hat mehrere Gründe:
- Gesetzliche Vorschrift: In vielen Ländern, darunter auch in der EU, ist es gesetzlich vorgeschrieben, für fast alle verzehrbaren Lebensmittel ein MHD anzugeben. Wasser fällt in diese Kategorie.
- Verpackungsmaterial: Das MHD bezieht sich in erster Linie auf die Verpackung, nicht auf das Wasser selbst.
- Plastikflaschen (PET): Mit der Zeit können kleine Mengen von Chemikalien aus dem Plastik in das Wasser übergehen, besonders bei Lagerung in Wärme oder direkter Sonneneinstrahlung. Dies kann den Geschmack des Wassers beeinträchtigen, ist aber in der Regel nicht direkt gesundheitsschädlich. Auch kann Sauerstoff durch das Plastik diffundieren. Für PET-Flaschen wird meist ein MHD von 1 Jahr angegeben.
- Glasflaschen: Glas ist inert und gibt keine Stoffe an das Wasser ab. Daher ist Wasser in Glasflaschen bei richtiger Lagerung nahezu unbegrenzt haltbar. Das MHD für Glasflaschen liegt oft bei 2 Jahren, ist aber eher formaler Natur.
- Geschmack und Qualität: Auch wenn Wasser nicht “schlecht” wird, können sich Geschmack und Frische im Laufe der Zeit verändern. Wasser kann “schal” schmecken, da sich die chemische Zusammensetzung (z.B. der pH-Wert) ändert, sobald es mit Sauerstoff in Kontakt kommt.
- Herstellerhaftung und Rückverfolgbarkeit: Das MHD dient den Herstellern als Orientierungspunkt. Bei möglichen Rückrufen oder Qualitätsproblemen ermöglicht es eine bessere Rückverfolgbarkeit der Produkte.
Wie lange ist Wasser wirklich haltbar?
Die Haltbarkeit von Wasser hängt stark von der Art des Wassers und der Lagerung ab:
- Ungeöffnetes abgefülltes Wasser (Mineralwasser, Tafelwasser):
- In Glasflaschen: Praktisch unbegrenzt haltbar, wenn kühl, trocken und dunkel gelagert. Das aufgedruckte MHD (oft 2 Jahre) ist eine Formalität.
- In Plastikflaschen (PET): Das Wasser ist über das MHD (oft 1 Jahr) hinaus trinkbar, aber der Geschmack kann sich durch die Wechselwirkung mit dem Plastik verändern. Bei optimaler Lagerung kann es auch deutlich länger haltbar sein, ohne gesundheitliche Risiken zu bergen.
- Geöffnetes abgefülltes Wasser:
- Sobald eine Flasche geöffnet wird, kommt das Wasser mit Sauerstoff und Umgebungskiemen in Kontakt.
- Wenn direkt aus der Flasche getrunken wird, können Bakterien aus dem Mund ins Wasser gelangen und sich dort vermehren.
- Empfehlung: Geöffnetes Wasser sollte innerhalb weniger Tage (idealerweise 2-3 Tage) verbraucht werden, besonders wenn es nicht gekühlt wird oder wenn direkt daraus getrunken wurde. Im Kühlschrank hält es sich etwas länger.
- Leitungswasser:
- Frisch aus dem Hahn: Deutsches Leitungswasser ist von sehr hoher Qualität und praktisch keimfrei, solange es im Leitungssystem ist.
- Abgefülltes Leitungswasser (im Glas oder Krug): Nach dem Abfüllen kommt es mit Luftkeimen in Kontakt. Es sollte innerhalb von 1-2 Tagen getrunken werden, um Geschmacksveränderungen und eine mögliche Keimbildung zu vermeiden.
- Abgekochtes Wasser: Nach dem Abkochen ist es keimfrei, aber danach den gleichen Umgebungskeimen ausgesetzt wie nicht abgekochtes Wasser. Es sollte ebenfalls schnell verbraucht werden.
Optimale Lagerung von Wasser
Um die Qualität und Haltbarkeit von Wasser so lange wie möglich zu gewährleisten, beachten Sie folgende Tipps:
- Kühl und dunkel: Lagern Sie Wasserflaschen an einem kühlen, trockenen und dunklen Ort, fernab von direkter Sonneneinstrahlung und Wärmequellen. Extreme Temperaturen, insbesondere Wärme, können die Freisetzung von Chemikalien aus Plastikflaschen beschleunigen und das Wachstum von Mikroorganismen fördern.
- Geruchsneutral: Bewahren Sie Wasser nicht in der Nähe von starken Geruchsverursachern (z.B. Chemikalien, Reinigungsmitteln, Heizöl) auf, da Plastikflaschen geruchsdurchlässig sein können und das Wasser Gerüche annehmen könnte.
- Saubere Behälter: Wenn Sie Leitungswasser abfüllen, verwenden Sie stets saubere, gut gereinigte (und eventuell desinfizierte) Gefäße, am besten aus Glas oder lebensmittelechtem Kunststoff.
- Verschlossen halten: Achten Sie darauf, dass Flaschen oder Behältnisse stets gut verschlossen sind, um das Eindringen von Luft und Keimen zu minimieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass reines Wasser selbst zwar nicht “schlecht” wird, die Qualität und der Geschmack aber durch die Lagerbedingungen und die Art der Verpackung beeinflusst werden können. Ein achtsamer Umgang und die richtige Lagerung sorgen dafür, dass Sie immer frisches und wohlschmeckendes Wasser genießen können.