100 % kostenloses Internet mit einer Glühbirne.

Die Idee von “kostenlosem Internet mit einer Glühbirne” klingt faszinierend und verweist auf eine vielversprechende Technologie namens Li-Fi (Light Fidelity). Auch wenn es nicht buchstäblich “kostenlos” ist – die Infrastruktur und die Geräte müssen natürlich angeschafft werden – nutzt Li-Fi das vorhandene Lichtspektrum zur Datenübertragung, was im Vergleich zu herkömmlichen Funktechnologien wie WLAN einige interessante Vorteile bietet.


Li-Fi: Internet aus dem Licht 💡💻

Li-Fi ist eine drahtlose Kommunikationstechnologie, die Daten über sichtbares Licht oder Infrarotlicht überträgt, anstatt über Funkwellen. Es wurde von Professor Harald Haas an der University of Edinburgh entwickelt und 2011 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Wie funktioniert Li-Fi?

Das Grundprinzip ist relativ einfach:

  1. Sender (LED-Lampe): Eine speziell modifizierte LED-Lampe dient als Sender. Sie blinkt extrem schnell ein und aus, oder moduliert ihre Helligkeit. Dieses Flackern ist für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar (es scheint, als wäre das Licht durchgehend an). Jedes Ein- und Ausschalten, bzw. jede Helligkeitsveränderung, repräsentiert Datenbits (0en und 1en).
  2. Empfänger (Fotodiode): Ein Empfänger, oft eine Fotodiode (ähnlich den Sensoren in Solarzellen oder Fernbedienungen), fängt diese Lichtsignale auf.
  3. Datenumwandlung: Der Empfänger wandelt die empfangenen Lichtsignale in elektrische Impulse um, die dann von einem Gerät (z.B. Smartphone, Laptop) als Daten interpretiert werden können.

Vorteile von Li-Fi:

  • Hohe Geschwindigkeit: Li-Fi kann theoretisch wesentlich höhere Datenübertragungsraten als herkömmliches WLAN erreichen, teilweise bis zu 100-mal schneller. Mit RGB-LEDs können Geschwindigkeiten von bis zu 9 Gbit/s erzielt werden.
  • Hohe Sicherheit: Da Licht nicht durch Wände dringt, ist eine Li-Fi-Verbindung auf den Raum beschränkt, in dem sich die Lichtquelle befindet. Dies macht es deutlich schwerer, Daten von außen abzufangen oder zu hacken.
  • Keine elektromagnetischen Störungen: Li-Fi verwendet Licht, was keine elektromagnetischen Störungen verursacht. Das ist besonders vorteilhaft in Umgebungen, in denen Funkwellen problematisch sein könnten, wie Krankenhäuser (medizinische Geräte), Flugzeuge oder Produktionsanlagen.
  • Entlastung des Funkfrequenzspektrums: Durch die Nutzung des Lichtspektrums wird das überlastete Funkfrequenzspektrum entlastet.
  • Energieeffizienz: LED-Lampen sind ohnehin energieeffizient, und die zusätzliche Funktion der Datenübertragung nutzt die bereits vorhandene Beleuchtungsinfrastruktur.

Nachteile und Herausforderungen:

  • Sichtverbindung erforderlich: Der größte Nachteil ist, dass eine direkte Sichtverbindung zwischen Sender (Lampe) und Empfänger bestehen muss. Wenn etwas das Licht blockiert (z.B. eine Person, eine Wand oder das Ausschalten der Lampe), wird die Verbindung unterbrochen.
  • Begrenzte Reichweite: Die Reichweite einer Li-Fi-Verbindung ist typischerweise auf wenige Meter begrenzt, was den Einsatz auf bestimmte Bereiche oder Räume einschränkt.
  • Fehlende Infrastruktur: Li-Fi ist noch eine relativ neue Technologie, und die flächendeckende Infrastruktur fehlt bisher. Es müssten spezielle Li-Fi-fähige Lampen und kompatible Empfänger in Geräten verbaut werden.
  • Interferenzen durch andere Lichtquellen: Starke externe Lichtquellen, wie direktes Sonnenlicht, könnten theoretisch die Datenübertragung stören.

Die Zukunft von Li-Fi

Obwohl Li-Fi seine Grenzen hat, wird es eher als Ergänzung zu bestehenden Technologien wie WLAN und 5G gesehen, insbesondere in Bereichen, wo hohe Sicherheit, hohe Dichte an Nutzern oder elektromagnetische Verträglichkeit entscheidend sind. Es hat das Potenzial, in Smart Cities, Industrie 4.0 und im vernetzten Verkehr eine wichtige Rolle zu spielen. “Kostenloses Internet” in dem Sinne, dass man keine zusätzlichen Funkwellen-Gebühren zahlt und die Beleuchtung sowieso vorhanden ist, mag ein verlockendes Bild sein, aber die Technologie selbst erfordert spezifische Investitionen.

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