Ein Herzinfarkt wird oft mit dramatischen Brustschmerzen, Atemnot und ausstrahlenden Schmerzen in den Arm verbunden. Doch in vielen Fällen, insbesondere bei Frauen, verläuft ein Herzinfarkt “still” oder mit untypischen Symptomen, die leicht ignoriert werden können. Diese sogenannten stillen Herzinfarkte sind genauso gefährlich wie die “typischen” und können langfristig zu schweren Herzschäden oder gar zum plötzlichen Herztod führen, da sie oft unbehandelt bleiben.
Was ist ein “stiller” Herzinfarkt?
Ein stiller Herzinfarkt (auch stummer Myokardinfarkt genannt) tritt auf, wenn ein Teil des Herzmuskels aufgrund mangelnder Blutzufuhr abstirbt, aber die üblichen Schmerzsymptome ausbleiben oder so gering sind, dass sie nicht als Herzinfarkt erkannt werden. Dies ist besonders bei Diabetikern häufig, da die Nerven geschädigt sein können und Schmerzsignale nicht richtig weiterleiten. Frauen sind ebenfalls häufiger von atypischen Symptomen betroffen.
6 Anzeichen eines stillen Herzinfarkts, die oft ignoriert werden
Es ist entscheidend, auf diese subtileren Warnsignale zu achten, um im Zweifelsfall rechtzeitig medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
- Ungewöhnliche oder anhaltende Müdigkeit: Extreme, unerklärliche Erschöpfung, die über Tage oder Wochen anhält und nicht durch Schlafmangel oder Anstrengung erklärt werden kann, ist ein häufiges, aber oft übersehenes Symptom, besonders bei Frauen. Es kann ein Zeichen dafür sein, dass das Herz härter arbeiten muss, um den Körper mit Blut zu versorgen.
- Kurzatmigkeit oder Atemnot ohne Anstrengung: Das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, selbst in Ruhe oder bei geringer Anstrengung, kann ein Indikator für Herzprobleme sein. Das Herz kann das Blut nicht effizient genug pumpen, was zu einem Rückstau in den Lunge führt.
- Leichtes Unwohlsein, Schwindel oder Übelkeit: Statt starker Schmerzen können sich Herzprobleme als allgemeines Unwohlsein, Benommenheit, Schwindelgefühle, Übelkeit oder sogar Erbrechen äußern. Diese Symptome werden oft fälschlicherweise als Magenverstimmung, Grippe oder Stress abgetan.
- Schmerzen oder Druck im Oberbauch, Nacken, Kiefer oder Rücken: Während starke Brustschmerzen bekannt sind, können Schmerzen auch in andere Bereiche des Oberkörpers ausstrahlen, ohne dass die Brust direkt betroffen ist. Dies kann sich als dumpfer Druck, ein Ziehen oder ein Gefühl von Unbehagen äußern, insbesondere im oberen Rücken (zwischen den Schulterblättern), im Nacken, Kiefer oder im Oberbauch (ähnlich Sodbrennen).
- Unerklärliches Schwitzen (kalter Schweiß): Plötzliches, kaltes Schwitzen, das nicht auf körperliche Anstrengung, Fieber oder die Umgebungstemperatur zurückzuführen ist, kann ein Warnsignal sein. Der Körper reagiert auf den Stress, den das Herz erfährt.
- Schmerzen oder Taubheitsgefühle in den Armen oder Beinen: Obwohl der linke Arm am bekanntesten ist, können Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle auch in beiden Armen, Beinen oder sogar in den Händen auftreten. Diese Beschwerden werden oft mit Muskelverspannungen oder altersbedingten Problemen verwechselt.
Wann sollte man handeln?
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bemerken, insbesondere wenn sie neu auftreten, anhalten oder sich bei Anstrengung verschlimmern, sollten Sie dies ernst nehmen. Zögern Sie nicht, medizinischen Rat einzuholen. Im Zweifelsfall ist es immer besser, den Notruf (112 in Deutschland und Österreich, 103 in der Ukraine) zu wählen. Lieber einmal zu oft als einmal zu wenig.
Risikofaktoren für einen stillen Herzinfarkt
Die Risikofaktoren für einen stillen Herzinfarkt sind die gleichen wie für einen symptomatischen Herzinfarkt:
- Bluthochdruck
- Hoher Cholesterinspiegel
- Diabetes mellitus (erhöhtes Risiko aufgrund von Nervenschäden)
- Rauchen
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Familiäre Vorbelastung
- Alter (Männer sind häufiger betroffen, aber bei Frauen verläuft ein stiller Infarkt oft tödlicher)
- Stress und Depressionen
Das Bewusstsein für diese untypischen Anzeichen kann Leben retten und dazu beitragen, Folgeschäden am Herzen zu minimieren. Achten Sie auf Ihren Körper und zögern Sie nicht, bei Bedenken einen Arzt aufzusuchen.