Wenn Sie Käse essen, sollten Sie keine weiteren Medikamente einnehmen… mehr anzeigen

Das Phänomen, auf das Sie anspielen, ist in der Medizin und Pharmazie weltbekannt unter dem Namen „Cheese-Effekt“ (Käse-Effekt).

Es bedeutet allerdings nicht, dass man generell beim Essen von Käse keine Medikamente nehmen darf. Diese gefährliche Wechselwirkung betrifft eine ganz bestimmte, spezielle Gruppe von Arzneimitteln: die sogenannten nicht-selektiven, irreversiblen MAO-Hemmer (Monoaminooxidase-Hemmer). Diese Wirkstoffe (wie z. B. Tranylcypromin) werden meist als Reservemedikamente bei schweren Depressionen oder Parkinson eingesetzt.

Warum vertragen sich Käse und MAO-Hemmer nicht?

Das Problem liegt an einem bestimmten Inhaltsstoff, der vor allem in gereiften Lebensmitteln steckt: Tyramin.

  • Die Rolle von Tyramin: Tyramin ist ein sogenanntes biogenes Amin (ein Abbauprodukt von Aminosäuren), das den Blutdruck stark steigern kann. Es entsteht, wenn Lebensmittel reifen, fermentieren oder länger lagern – deshalb steckt besonders viel davon in altem Käse (wie Parmesan, Cheddar oder Roquefort), aber auch in Salami, Rotwein oder Sauerkraut.
  • Was der Körper normalerweise tut: Wenn wir Käse essen, baut ein körpereigenes Enzym im Darm und in der Leber – die Monoaminooxidase (MAO) – das Tyramin sofort ab, bevor es Schaden anrichten kann.
  • Was unter dem Medikament passiert: Blockiert ein MAO-Hemmer dieses Enzym dauerhaft, gelangt das Tyramin ungehindert und in großen Mengen in den Blutkreislauf.

Die Folge: Es kommt zu einer schlagartigen, massiven Verengung der Blutgefäße. Das kann eine lebensgefährliche hypertensive Krise (einen extremen Blutdruckschwerpunkt) mit heftigen Kopfschmerzen, Herzrasen und im schlimmsten Fall Schlaganfällen auslösen.

Welche Lebensmittel sind betroffen?

Wer diese speziellen MAO-Hemmer einnimmt, muss eine strenge tyraminarme Diät einhalten. Dazu gehören:

  • Strikte Tabus: Alter, gereifter Hart- und Weichkäse, Schimmelkäse, Salami, Rohschinken, geräucherter Fisch, Sauerkraut, Sojasauce und bestimmte Biersorten/Rotweine.
  • Meist unbedenklich: Frische Milchprodukte wie Frischkäse, Quark, Hüttenkäse, Ricotta oder junge, industriell verpackte Mozzarella-Sorten, da diese kaum Reifezeit hinter sich haben.

Wichtig zu wissen

Andere moderne Antidepressiva (wie SSRI) oder gängige Medikamente (wie Ibuprofen oder Blutdrucksenker) haben diesen “Cheese-Effekt” nicht. Wer jedoch auf einen klassischen, irreversiblen MAO-Hemmer eingestellt wird, erhält vom Arzt oder der Apotheke immer einen genauen Ernährungsplan, der bis zu zwei Wochen nach Absetzen des Medikaments befolgt werden muss.

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