Das traditionelle Waschen mit selbstgemachter Seife aus Schweineschmalz ist ein absoluter Klassiker aus Omas Zeiten. Schweineschmalz liefert eine feste, weiße Seife, die wunderbar reinigt und sehr ergiebig ist.
Da wir hier mit Ätznatron (NaOH) arbeiten, steht Sicherheit an oberster Stelle.
Hier ist Omas Schritt-für-Schritt-Rezept für eine reine Kernseife/Waschseife.
⚠️ Wichtige Sicherheitshinweise vorab
- Schutzkleidung: Trage unbedingt eine Schutzbrille, Gummihandschuhe und langärmelige Kleidung.
- Dämpfe: NaOH entwickelt beim Anrühren mit Wasser beißende Dämpfe. Atme diese nicht ein. Am besten draußen oder bei weit geöffnetem Fenster arbeiten.
- Kein Aluminium: Verwende nur Gefäße aus Glas, Edelstahl oder robustem Kunststoff (PP/HDPE). NaOH zerfrisst Aluminium!
- Reihenfolge: Immer das NaOH in das Wasser geben, niemals umgekehrt (Verletzungsgefahr durch Spritzen!).
Die Zutaten
Für einen guten Block Waschseife brauchst du:
- 1000 g Schweineschmalz (rein, ohne Salz oder Gewürze)
- 330 g kaltes Wasser (am besten destilliertes Wasser)
- 138 g Ätznatron (NaOH-Prills aus der Drogerie oder dem Online-Handel)*
(Hinweis: Dies entspricht einer Unterlaugung von ca. 4–5 %. Eine reine Waschseife soll kaum überschüssiges Fett enthalten, damit sie auf der Kleidung keine Fettflecken hinterlässt.)
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Die Lauge ansetzen
- Ziehe deine Schutzkleidung an.
- Wiege das kalte Wasser in einem hitzebeständigen Messbecher ab.
- Wiege das NaOH in einem separaten Gefäß exakt ab.
- Gib das NaOH langsam und unter Rühren in das Wasser. Die Flüssigkeit erhitzt sich dabei stark und wird zunächst trüb. Rühre, bis sich alles vollständig aufgelöst hat.
- Stelle die Lauge an einen sicheren Ort (z. B. ans offene Fenster) und lass sie auf etwa 40–50 °C abkühlen.
2. Das Fett schmelzen
- Gib das Schweineschmalz in einen großen Edelstahltopf.
- Lass es bei niedriger Hitze auf dem Herd langsam schmelzen.
- Sobald alles flüssig ist, nimm den Topf vom Herd. Das Fett sollte am Ende ebenfalls eine Temperatur von etwa 40–50 °C haben. (Lauge und Fett sollten idealerweise in etwa gleich warm sein).
3. Das “Seifeln” (Mischen)
- Gieße die abgekühlte NaOH-Lauge vorsichtig durch ein feines Sieb (um eventuelle unaufgelöste NaOH-Kristalle abzufangen) in das flüssige Schweineschmalz.
- Nimm einen Pürierstab und Mixe die Masse auf niedrigster Stufe. Wechsel ab zwischen kurzen Mix-Impulsen und manuellem Rühren.
- Nach wenigen Minuten dickt die Masse an. Sobald sie die Konsistenz von leicht flüssigem Pudding hat und der Pürierstab deutliche Spuren auf der Oberfläche hinterlässt (“Trace”), ist die Seife bereit zum Abfüllen.
4. In die Form füllen
- Gieße den Seifenleim in eine passende Form (z. B. eine mit Backpapier ausgekleidete Kastenform oder Silikonformen).
- Klopfe die Form ein paar Mal vorsichtig auf die Arbeitsplatte, um Luftblasen zu entfernen.
- Decke die Form mit etwas Frischhaltefolie ab und wickle sie in ein altes Handtuch. Die Seife entwickelt von alleine Wärme (Gelphase).
5. Schneiden und Reifen lassen
- Nach 24 bis 48 Stunden ist die Seife fest genug. Nimm sie aus der Form.
- Schneide den Block mit einem scharfen, großen Messer in handliche Stücke. (Wichtig: Trage auch hier noch Handschuhe, da die Seife noch leicht ätzend sein kann!).
- Lege die Seifenstücke mit etwas Abstand zueinander auf Backpapier an einen trockenen, luftigen Ort.
- Die Reifezeit: Lass die Seife mindestens 4 bis 6 Wochen reifen. In dieser Zeit schließt sich der Verseifungsprozess vollständig ab, der pH-Wert sinkt und die Seife wird mild und fest.
Wie verwendet man Omas Waschseife?
- Als Fleckenseife (Galseifen-Ersatz): Das Seifenstück einfach anfeuchten, hartnäckige Flecken (Kragen, Gras, Fett) vor dem Waschen damit einreiben und ab in die Waschmaschine.
- Als Waschpulver: Die gereifte Seife mit einer Küchenreibe fein raspeln. Die Raspel können direkt im Verhältnis 1:1 mit Soda (Natriumcarbonat) gemischt werden, um ein hervorragendes, umweltfreundliches Waschpulver für Koch- und Buntwäsche zu erhalten.